Den letzten beißen die Hunde

Montag, den 28. September 2009 um 09:46 Uhr

„Die Letzten beißen die Hunde"

Das Ende eines Schneeballsystems

Das tückische an einem Schneeballsystem ist, dass es allen Beteiligten zunächst eigentlich gut geht:
• Der Initiator bekommt Geld, das er verwenden kann, wie er will.
• Der „Anleger" bekommt von dem Geld eine vermeintliche Rendite.
• Der Anleger empfiehlt die Super-Geldanlage weiter.
• Der Initiator bekommt noch mehr Geld, das er verwenden kann, wie er will.
• Die Anleger werden aus dem Geld bedient.
• Es scheint nur Gewinner zu geben.

Irgendwann kommt es zu einer Störung in diesem System. Das kann verschiedene Gründe haben:

• Das Feld ist „abgegrast", es kommen zu wenig „Neuanleger". Damit versiegt der Zustrom von Geld.
• Misstrauen kommt auf. Zweifel am „Geschäftsmodell" wachsen.
• Seriöse Geschäftsleute wehren sich gegen betrügerische „Mitbewerber", deren vermeintlich attraktive Angebote in der realen Welt nicht möglich sind.
• Immer mehr Anleger fordern ihr Geld zurück.
• Gerichte, Staatsanwaltschaft oder Presse durchleuchten das Geschäft.

Jetzt machen einige Anleger Druck. Um das System möglichst lange aufrecht zu erhalten, bedient der Initiator zunächst die, die ihm am meisten wehtun. Teilweise werden nun Neuanleger zu besonders attraktiv erscheinenden „Sonderkonditionen" gelockt. Deren Geld geht dann entweder direkt an die Anleger, die am lästigsten werden oder als Fluchtgeld in die Tasche des Initiators. Bleibt der Zustrom aus, verschwindet der Initiator und/oder beklagt alle möglichen widrigen Umstände, die das gute Geschäft zerstört hätten. Sehr häufig werden auch die, die den Betrug aufdecken als Schuldige am Zusammenbruch gesehen. Schließlich war doch alles so schön und harmonisch, bis jemand die Illusion zerstörte. Erstaunlicherweise werden nun einige Opfer zu den engagiertesten Verteidigern des Betrügers. Dieser stellt sich selbst als Opfer dar. Er hat immer noch einen guten persönlichen Draht zu seinen „Kunden", denn „zu seiner Zeit" war ja immer alles schön harmonisch gewesen. Erst die Störung von dritter Seite hat den Zustrom versiegen und damit sein tolles Geschäftsmodell platzen lassen.

Dabei kann es den ersten Kunden ja noch recht gut gehen. Sie haben vermeintliche Gewinne kassiert und wenigstens einen Teil ihres Geldes wieder zurückbekommen. Übrigens müssen die Scheingewinne auch dann versteuert werden, wenn diese wieder angelegt und dann zusammen mit dem Kapital komplett verloren sind. Stellen Sie sich vor, Sie hätten 100.000 Euro „angelegt" und Sie hätten damit 100.000 Euro „verdient". Sie wären begeistert gewesen und hätten auch den Gewinn sofort wieder „angelegt". Nun platzt das Ganze und Sie haben nichts mehr. Da kommt dann richtig Freude auf, wenn der Steuerbescheid vom Finanzamt für den Gewinn von 100.000 Euro ins Haus flattert. Ergebnis:

• Kapital weg.
• „Gewinn" weg.
• Steuern auf „Gewinn" zu zahlen.
• Per Saldo also mehr als den eigenen Einsatz verloren.

Sie glauben das nicht? Höchstrichterlich bestätigt! Googeln Sie mal unter „Ambros S.A".

Das Problem haben die letzten Anleger ja zum Glück nicht mehr. Sie haben einfach ihr Geld hergegeben und verloren. Für Gewinne blieb keine Zeit mehr. Ob sie das tröstet?

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