Leserbrief zu "Warnschuss von Moody´s"

Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 15:45 Uhr


Leserbrief zum Artikel „Warnschuss von Moody´s", CBN Nr. 1328 vom 29. Mai 2009, Seite 98


„Irgendwie passten die Meldungen und Meinungen in der letzten CBN ins Bild. Im Titel wurde von der neuen Armut in Spanien gesprochen, der Kommentar von Michael Althoff befasste sich mit Derivaten, Gier und Moral und dann, im Wirtschaftsteil, der Bericht über die verschlechterte Bonität spanischer Banken und Sparkassen. Die Krise ist eindeutig in Spanien angekommen. Wir erinnern uns, dass noch vor wenigen Wochen Sprecher der CAM im CBN-Interview die heile Welt herbeiredeten. Heute sieht Moody´s die CAM auf dem Abstieg. Zeitgleich mit der Schönfärberei aus der CAM wollte ein Funktionär der Bauwirtschaft uns weismachen, dass die Krise in seiner Branche diesen Sommer beendet werden würde, weil die Zinsen sinken und damit die Kredite für finanzschwache Käufer wieder erschwinglich würden. Er prophezeite auch den Abverkauf der leerstehenden Immobilien binnen Jahresfrist, wusste aber nicht einmal zu sagen, wie viele Wohnungen in seinem Wirkungsbereich aktuell unverkauft leerstehen. Wirksame Maßnahmen gegen eine Krise wird man wohl erst erwarten können, wenn die Probleme, die sie hervorgerufen haben, erkannt und beseitigt werden.

Was die Herabstufung der Bonität von Banken und Sparkassen angeht, wäre es sicher übertrieben, nun eine Pleitewelle zu erwarten. Trotzdem wird die veränderte Situation Folgen für die Kunden haben. Die staatliche Bankenaufsicht CNMV verlangt, dass nur Institute mit langfristig positiver Bewertung Garantiefonds auflegen dürfen. Dann werden diese eben andere Formulierungen finden! Werden die Kunden erkennen, dass die vermeintlich tollen Zinsangebote mancher Institute in Wirklichkeit Notmaßnahmen zur Rettung der Bank sind? Eine Bank mit schlechter Bonität muss am Finanzmarkt sehr viel höhere Zinsen zahlen oder bekommt derzeit überhaupt nichts. Privatkunden sind da weniger kritisch. Für höhere Zinsen vergessen sie auch mal ihre sonstige Vorsicht. Im Volksglauben ist die Anlage bei einer Sparkasse risikolos. Im Ernstfall kann es aber durchaus auf das Kleingedruckte ankommen. So steht im Artikel, dass die Caja Madrid, die schon vorher nicht immer durch Kundenfreundlichkeit geglänzt hatte, für bestimmte Anlagen die Zinsen nicht mehr zahlen kann. Den wenigsten Kunden ist nämlich bewusst, dass nicht alle Anlageformen und schon gar nicht die Zinsen durch Sicherungsfonds gedeckt sind. Manchmal bezahlt man seine höheren Zinsen auch damit, dass man im Ernstfall als Gläubiger hinten ansteht. Ohne Absicherung! Deutsche Anleger kennen im Sparkassenwesen die Gewährträgerhaftung. Gemeinde, Kreis oder Land stehen mit ihrem Vermögen und Steueraufkommen für ihre Sparkassen ein. Das ist in Spanien anders! Hier können auch Sparkassen, siehe Caja de Alcoy, pleite gehen. Auch Anlagen in Lehman Zertifikate waren den Kunden als sicher verkauft worden. Unter anderem von der Sparkasse CAM, die sich offenbar nicht scheute, das gesamte verfügbare Vermögen eines Kunden in nur dieses eine Produkt zu investieren. (siehe Fotos)"

Die Fotos wurden am 1. Juni 2009, ca. 11:30 Uhr, in der Calle Marques de Campo/Calle Carlos Senti in Denia gemacht.

cam-lkw

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