Öffentlich rechtliche Panikmache im ZDF

Mittwoch, den 17. Februar 2010 um 15:22 Uhr

Öffentlich rechtliche Panikmache im ZDF

WISO verlässt den Pfad des tugendhaften Journalismus

Am 15 Februar 2010 brachte das ZDF in seiner Sendung WISO zu bester Sendezeit einen Bericht, der sich gemäß Titel mit schlechter Bankberatung befassen sollte, in Wirklichkeit aber nach meiner Auffassung im Stil untersten Revolverjournalismus´gegen Schiffsfonds polemisierte und Anleger verunsicherte. Hier der Link zum Beitrag, falls Sie sich überzeugen wollen:

WIS0 Beitrag: "Schlechte Bankberatung für Senioren

Hier meine E-Mail an die WISO-Redaktion im vollen Wortlaut:


Sehr geehrte Damen und Herren von der WISO Redaktion,

als Zuschauer der ersten Stunde habe ich die Meinungsvielfalt im deutschen Fernsehen, die vom dem ZDF maßgeblich mitgestaltet wurde, immer begrüßt. Die Sendereihe WISO habe ich immer auch deswegen gern gesehen, weil komplexe Themen griffig und verständlich erklärt wurden. Nun bin ich sehr verunsichert, weil ein Thema, von dem ich selbst einige profunde Kenntnis habe, in geradezu abenteuerlicher Weise tendenziös und in einer Art „Revolverjournalismus" manipulativ behandelt wurde. Ich bin nun sehr besorgt, ob ich auch zu Themen, die ich nicht aus eigener Kenntnis beurteilen kann, derart unseriös informiert werde.

Der Anspruch der Redaktion
In der „Selbstverpflichtungserklärung des ZDF 2009 - 2010", einer gebührenfinanzierten Anstalt des öffentlichen Rechts, ist zu lesen:

„Die Belange der Gesellschaft und ihrer Bürger zu thematisieren und die Kommunikation darüber herzustellen, erfordert für das Fernsehen wie für das Internet professionelle Selektion, Aufbereitung und Gestaltung nach den Kriterien der Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vielfalt, Unabhängigkeit und Transparenz. ...

... In einer immer komplexeren, globalisierten Welt will das ZDF-Programm ein Wegweiser für den Zuschauer sein. Hinter die Kulissen zu schauen, Zusammenhänge zu erklären und Aussagen zu hinterfragen sind zentrale Aufgaben des Informationsangebots des ZDF. In den kommenden Jahren soll diese Erklärkompetenz des ZDF weiter gestärkt werden. ...

... Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin WISO wird als „Anwalt der Verbraucher" weiterhin wirtschafts-, sozial- und verbraucherpolitische Sachverhalte und Zusammenhänge erläutern und Handlungsoptionen aufzeigen."

Im krassen Widerspruch zu diesen hohen Ansprüchen wurden im WISO Beitrag „Schlechte Bankberatung für Senioren" vom 15.02.2010 Sachverhalte verzerrt dargestellt und damit die Verbraucher nicht objektiv informiert, sondern nachhaltig verunsichert. Dies in einer manipulativen Weise, die weder etwas mit „Erklärkompetenz", noch mit „Wahrhaftigkeit", „Objektivität" oder „Transparenz" zu tun hat.

Der Beitrag
Aus dem Beitrag geht nicht hervor, welches konkrete Problem die vorgestellten Anleger eigentlich haben. Sind die von ihnen gezeichneten Schiffsfonds pleite? Haben Sie schon Geld verloren? Oder bleiben lediglich Ausschüttungen aus? Wird der Kapitaldienst für die Schiffe noch geleistet? Gibt es ein Restrukturierungskonzept? Dazu werden keine Aussagen gemacht. Es werden lediglich zwei zornige Rentner vorgestellt, die drei Jahre nach ihrer Anlageentscheidung offenbar erstmals erkennen, worin sie investiert haben.

Statt über die Anlagen und die möglichen Probleme damit konkret zu berichten, wird einfach pauschal behauptet, Schiffsbeteiligungen seien unsicher, die Schifffahrt liege vollkommen darnieder und Anleger seien in Schwierigkeiten. Damit wird die Situation einseitig falsch dargestellt. Durch die Auswahl und den Zusammenschnitt der Aussagen wird in reißerischer Aufmachung der Eindruck erweckt, die zitierten Anleger hätten ihr gesamtes Kapital verloren und sämtliche anderen Anleger in Schiffsfonds seien in unmittelbarer Gefahr, ihr Kapital ebenfalls zu verlieren.

WISO Originalzitate (in dramatischem Ton vorgetragen):
„Nichts ist los am Hamburger Hafen. Wo sonst die Kräne im Dauerbetrieb arbeiten, herrscht Stillstand." „In der Wirtschaftskrise werden kaum noch Waren verschifft." „Weltweit müssen die Schiffe im Hafen bleiben." „30.000 Euro hat er auf Rat seiner Bank in Schiffe investiert. Dieses Geld fehlt ihm jetzt." „Schiffsfonds aber sind sehr riskant!"
...
„Schiffsfonds - für die Citibank ein gutes Geschäft. Für die Anleger ein Alptraum. Hoffentlich springt die Wirtschaft bald wieder an, damit bald wieder Waren verschifft werden und nicht noch mehr Schiffsfonds pleite machen. Bis dahin müssen aber wohl noch viele Anleger um ihr Erspartes bangen."

Möglicherweise hat der zitierte Verbraucherschützer Arno Gottschalk weitergehende Informationen, die dem Zuschauer vorenthalten werden. Jedenfalls kommt er ebenfalls zu Schlussfolgerungen, die sich weder aus dem Bericht noch aus allgemein zugänglichen Fakten erklären. Das gipfelt in der pauschalen Aussage über Schiffsfonds: „Sie sind erstens unsicher ..."

Zur Beratung
Ich bin weder Mitarbeiter noch Freund der Citibank. Ich stelle sogar die Kompetenz der Berater der Citibank zu geschlossenen Fonds, insbesondere Schiffsfonds, in Frage. Nur ich meine, man sollte auch hier die Kirche im Dorf lassen. Hat der Anleger selbst überhaupt keine Sorgfaltspflicht? Wozu unterschreibt ein Mensch noch etwas, wenn er sich selbst letztlich völlig folgenlos unter dem Beifall der WISO Redaktion selbst entmündigt? Ich selbst hege auch meine Zweifel, on die Anleger in den zitierten Fällen gut beraten waren. Nur, entschieden haben sie selbst. Anders als bei Lehman Zertifikaten, die ebenfalls in großem Umfang von der Citibank vertrieben wurden, war jedoch für Schiffsbeteiligungen die Weitergabe konkreter Informationen obligatorisch. Der umfassende Prospektinhalt ist seit 2005 gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Emissionsprospekt wird von der BaFin vor Vertriebsbeginn auf Vollständigkeit geprüft und genehmigt. Ohne Nachweis der Aushändigung des Prospekts an den Anleger wären die Beitritte von den Treuhändern keinesfalls angenommen worden. Alle auch nur theoretisch denkbaren Risiken stehen, besonders hervorgehoben, im Prospekt. Der Anleger unterschreibt, dass er den Prospekt erhalten hat, Gelegenheit hatte, ihn zu studieren und bestätigt separat mit einer zweiten Unterschrift, dass er über sein Widerrufsrecht belehrt worden ist, wonach er ohne Angabe von Gründen innerhalb von zwei Wochen kostenlos vom Beitritt zurücktreten kann. Ohne diese Bestätigungen wird kein Beitritt angenommen. Von keinem Treuhänder! Ohne diese Bestätigungen könnte der Anleger heute noch kostenlos die Rückabwicklung verlangen. Der Kunde hatte also sogar nach seiner Unterschrift noch weitere zwei Wochen Zeit, sich umfassend zu informieren. Was kann der Berater noch tun? Soll man dem Anleger die Risikobelehrung vielleicht an die Stirn nageln?

Unwürdig ist die süffisante Behandlung der Beratungs- und Treuhandkosten als unterstelltes Motiv für Falschberatung. Alle Kosten stehen genau aufgeschlüsselt im Prospekt. Nicht im „Kleingedruckten", sondern gemäß Prospektverordnung an der von der BaFin verlangten Stelle. Für die Höhe gibt es einen Branchenvergleich. Sie wird durch tatsächliche Notwendigkeiten und den Wettbewerb bestimmt. Wer käme jemals auf die Idee, einem Restaurant die Differenz zwischen dem Großhandelspreis der verarbeiteten Lebensmittel und dem Preis für das fertige Menü vorzuwerfen? Die Behandlung dieses Themas im WISO Beitrag ist reine Stimmungsmache. Mit demagogischen Mitteln.

Handwerklich falsch ist auch die Einstufung der Treuhandgebühr als Abschlusskosten. Die Treuhandgebühr fällt für unabdingbare, nachprüfbare Leistungen während der Laufzeit des Fonds an und hat nichts mit Vertriebs- oder Beratungskosten zu tun.


Fakten
Es steht außer Frage, dass die Handelsschifffahrt durch die Krise stark betroffen ist. Diese heftigste Krise seit Jahrzehnten ist nicht hausgemacht und nicht die Folge schlechten Managements der Reedereien oder der Kostenstruktur von Schiffsfonds. Sie ist Folge abenteuerlichen Missmanagements in Banken, darunter etlichen Landesbanken, und des krassen Versagens der Aufsichtsbehörden und der Politik.

Die Schifffahrtsbranche hat diese Folgen zu tragen und tut dies, meines Wissens ohne Staatshilfe, weit überwiegend sehr effizient mit einer Reihe von Maßnahmen. Rund 90% der Containerschiffe weltweit sind in Beschäftigung und fahren. Aktuell geht die Zahl der „Auflieger", also der beschäftigungslosen Schiffe, deutlich zurück. Die Fracht- und Charterraten steigen bereits wieder. Auf niedrigem Niveau. Trotzdem ist die Trendwende erkennbar.

Auch die angebliche „Unsicherheit" von Schiffsfonds ist durch keinerlei Fakten belegt. Im Gegenteil: 92,5% aller beendeten Schiffsbeteiligungen der letzten 25 Jahre wurden mit durchschnittlichem Nettovermögenszuwachs von 6,7% p.a. (nach Steuern!) für Anleger endabgerechnet. Selbst die „Flops", also die wenigen Misserfolge, haben durchschnittlich noch rund 76% des eingesetzten Kapitals zurückgebracht. (Quelle: Fondsmedia). Nach meinen Informationen liegt die Zahl der tatsächlichen Insolvenzen im Verhältnis zur Gesamtflotte derzeit noch im Promillebereich.

Unbestritten ist, dass es bei einer Reihe von Schiffsfonds durch krisenbedingten Einnahmeausfall zu Liquiditätsengpässen kommt. In solchen Fällen, vielleicht bis zu 10% der laufenden Schiffsfonds, wird, bisher überwiegend erfolgreich, an Restrukturierungskonzepten gearbeitet. In enger Zusammenarbeit zwischen den Reedern, den finanzierenden Banken, den Emissionshäusern und den Anlegern werden Konzepte zur Überbrückung von Liquiditätslücken erarbeitet, die die Existenz der Fondsgesellschaften und damit das Kapital der Anleger bis zur erwarteten Normalisierung der Märkte sichern. In anderen Fällen reicht es aus, zur Liquiditätssicherung in Abstimmung mit der finanzierenden Bank fällige Tilgungsleistungen auszusetzen oder mit früher geleisteten Sondertilgungen zu verrechnen. Beim überwiegenden Teil der Schiffsfonds setzt das Management mögliche Ausschüttungen temporär aus, um Liquidität vorzuhalten. Das ist kaufmännisch vernünftig und keine Notlage und schon gar nicht eine Gefährdung des Anlegerkapitals. Eine große Zahl von Schiffsfonds läuft unbeeindruckt von der Krise nach Plan und schüttet planmäßig aus.

Mit welcher konkreten Situation es die zornigen Rentner im WISO Bericht zu tun haben, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Die deutsche Seeschifffahrt setzt jährlich rund 100 MRD Euro um und trägt rund 5% zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.

Die Geldgeber dieser erfolgreichen und volkswirtschaftlich wichtigen Branche mit derart unqualifizierten Beiträgen zu verunsichern und damit der Branche massiv zu schaden, entspricht sicher nicht dem gesellschaftlichen Auftrag des ZDF und schon gar nicht der zitierten Selbstverpflichtung.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Wolff
Calle Marques de Campo 16
E-03700 Denia / Alicante
info@solundhaben.com
Tel.: 0034 606182855



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